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Essay zum Praktikum in der Bahnhofsmission Freiburg

Von Ruth Schmid

Das Café der Bahnhofsmission liegt in Freiburg am Ende von Gleis 1 zwischen der Bundespolizei und dem Planetarium.
Das Café ist ein schmaler Raum mit fünf Tischen, zehn Stühlen, einem Sofa, einer Spielecke für Kinder, einem alten Kleiderschrank und einer Theke.
Die Bahnhofsmission versteht sich selbst als Kirche am Bahnhof und das spiegelt sich auch in ihren Tätigkeiten wider.
Ihr Café am Bahnhof ist ein Ort, an dem Menschen aus jeder Gesellschaftsgruppe zur Ruhe kommen, Kraft tanken, Erfahrungen austauschen und Hilfe erhalten können.
Die Hilfen erstrecken sich vom Schmalzbrot über die Fahrplanauskunft bis hin zum Seelsorgegespräch.
Durch Kooperation mit anderen Einrichtungen in Freiburg wie z.B. der Oase, einem Obdachlosenwohnheim, aber auch mit anderen Bahnhofsmissionen in anderen Städten Deutschlands, ist die Möglichkeit, den Menschen zu helfen enorm gestiegen. Hilft man nun Otto H. aus Offenburg, einem vor kurzem erst arbeits- und obdachlos gewordenem Mann zu einer günstigen Übernachtung in der Oase in Freiburg und zeigt ihm dazu gleich noch auf einem Flyer zum Thema Obdachlosenhilfe in Freiburg weitere Einrichtungen wie die Tafel oder die Pflasterstub’, in der er sich günstig etwas zu essen kaufen kann und ärztlich versorgt wird.
Oder hilft man gemeinsam mit dem Freiburger Frauenhaus Emira Ö. und ihren beiden 3 und 7 jährigen Söhnen aus Freiburg vor ihrem Mann zu flüchten, indem man ihr beim Zugticketkauf und beim Einsteigen in den Zug mit ihrem Gepäck hilft und an weiteren Bahnhöfen auf ihrer Reise Bahnhofsmissionen zur Hilfe bereitstellt. Flüchten. Das bedeutet laut Wörterbuch, „sich von einer drohenden Gefahr oder einer unangenehmen Situation entfernen“, bzw. „sich aus einer Zwangslage befreien“ (de.wiktionary.org/wiki/flüchten). Weltweit befinden sich zurzeit fast 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,2 Millionen von ihnen gelten, nach völker-rechtlicher Definition als Flüchtlinge. Nach einer globalen Statistik der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), sind die fünf größten Aufnahme-länder von Flüchtlingen: Pakistan (1,7 Mio.), Iran (887.000), Syrien (755.400), Deutschland (571.700) und Kenia (566.500).
Die sechs größten Herkunftsländer von Flüchtlingen sind: Afghanistan (>1,4Mio), Irak (~ 1,1 Mio.), Sudan (500.000), Demokratische Republik Kongo (~500.000) und Myanmar (Burma) (414.600).
Laut aktuellen Statistiken der BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) wurden im Januar-Februar 2013 insgesamt 1.259 Personen nach § 60 Abs. 1 AufenthG Flüchtlingsschutz in Deutschland gewährt.
Frauenhäuser waren im Spätmittelalter eine Art von Bordell.
Heutzutage bezeichnet man so Einrichtungen, die Frauen und ihren Kindern im Falle von häuslicher Gewalt Hilfe, Beratung und vorübergehend eine geschützte Unterkunft anbieten.
Das erste (offizielle) Frauenhaus Europas wurde 1971 von Erin Pizzey in London gegründet.
In Deutschland wurde das erste Frauenhaus 1976 in Berlin gegründet.
Nach dem Stand von 2009 gibt es in Deutschland 362 Frauenhäuser.
Jährlich suchen in Deutschland etwa 17.000 Frauen mit und ohne Kindern in Frauenhäusern und Schutzwohnungen Schutz vor ihren -meist gewalttätigen-Partnern.
Die Aufgabenbereiche der Bahnhofsmission sind vielfältig, genauso wie ihre Besucher und Nutzer. Jeder ihrer Besucher ist ein Mensch, mit seinen persönlichen Sorgen, Ängsten, Problemen, aber auch Freuden.
Für unsereins vielleicht teilweise unverständlich.
So kann ich es nur belächeln, wenn Lukas M. am Monatsanfang freudestrahlend in die Bahnhofsmission stürmt und jedem, den er sieht, erzählt, dass er heute 500 € vom Arbeitsamt bekommen hat. Was er sich damit schon alles gekauft hat und noch kaufen wird. Dass jemand sich so über Geld freut, und es aber genauso schnell, wie er es bekommt, wieder ausgibt, erlebt man eher selten, wenn man ein geregeltes Einkommen hat und einem Eltern, Lehrer, Finanzberater oder Bankangestellte den (ihrer Meinung nach) richtigen Umgang mit Geld beigebracht haben.
In unserer westlichen, kapitalistischen Welt ist es von großer Wichtigkeit, viel Geld zu besitzen. Wie man dazu kam, ist eher zweitrangig.
Sparen. Horten. Arbeiten.
Wer in unserer Gesellschaft gut angesehen sein möchte, muss immer die neusten Dinge besitzen. Ob nun ein IPhone 5©, ein Tablett von Sony©, einen Porsche 911© oder einen Flachbildschirm von Asus© mit 27 Zoll Durchmesser, nur das neuste und beste ist gut genug. Und um sich so etwas leisten zu können, braucht man eben Geld. Der Marken-Hype lässt auch die Jüngsten nicht davonkommen.
So erinnere ich mich noch an ein Mädchen aus meinem Kindergarten, die einen Teddybär besaß, mit dem sie immer ziemlich angegeben hatte. Es war nämlich nicht einfach irgendein Teddybär, nein, es war ein Teddybär der Marke Steiff©. Wie wir alle wissen ist Steiff© DIE Marke für Stofftiere, insbesondere Teddybären. Und da sie einen hatte, wollten wir anderen auch alle einen Teddybär von Steiff©. War ich stolz, als meine Eltern meinem Gequengel endlich nachgaben und mir eben so einen Teddybären zum Geburtstag schenkten. Endlich konnte ich dazu gehören. Und wenn die anderen Kinder meinen Steiff© Teddybären bewunderten und neidisch kuckten, vergas ich sogar, dass mir der Teddybär eigentlich nicht gefiel, weil er nicht weich war, sondern kratzte.
Selbst ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsende sind, auch wenn sie es nicht zugeben, Sklaven der Medien und des Kapitalismus.
Nur das Neuste, das Beste kommt einem in die (Einkaufs-) Tüte.
Markenkleidung (bloß nicht von Kick© oder anderen „Billig Läden“). Markenhandys, Markenschuhe, Markenspielzeug und sogar Markenessen (nicht einfach irgendein Backpulver, nein, nur das von Dr. Oetker©. Notfalls vielleicht noch das von Ruf©). Die Werbung flüstert es uns verführerisch zu, oder schreit es, im Fall von „Seitenbacher Müsli©“, ins Ohr.
Und sollte man sich aus Versehen (oder absichtlich) ein No-Name-Produkt zugelegt haben, wird man von seinen Mitmenschen, als Schüler besonders hart, daran erinnert, dass nur (teure) Marken und Markenprodukte In sind.
Sind deine Besitztümer nicht In, bist du es auch nicht.

So unterschiedlich wie Du und Ich, genauso unterschiedlich sind auch die Obdachlosen, die zur Bahnhofsmission kommen.
So gibt es ein paar von ihnen, denen scheint Körperpflege nicht so wichtig zu sein. Stark nach Schweiß, Alkohol, Erbrochenem und Urin stinkend, mit seit mindestens vier Wochen nicht mehr gewaschenen Kleidern, fettigen Haaren und faulenden Zähnen, sitzen sie im Schankraum und trinken ihren Schwarztee.
Andere dagegen stehen frisch gewaschen vor dem Spiegel in der Nähe der Theke, kämmen ihre Haare von rechts nach links, von links nach rechts, werfen einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, setzen probeweise ihre Mütze auf und fragen einen dann, ob sie so gut aussehen.
Sind wir nicht auch alle so?
Es gibt Tage, da lümmeln wir gemütlich, mit einem Buch oder vor dem laufenden Fernseher, im Schlafanzug oder der Jogginghose auf dem Sofa herum.
Wir wollen unseren freien Tag genießen, und dazu zählt dann eben häufig, dass man keine Lust darauf hat, sich gesellschaftlich passabel zu kleiden oder eben einfach nicht genug Energie aufbringen kann, sich die Haare zu kämmen oder (als Frau) zu schminken. Wen stört es denn? Man hat ja eh nicht vor, heute unter Leute zu gehen. Andererseits gibt es Tage oder Situationen, in denen möchten wir nicht nur passabel, sondern gut, wenn nicht sogar umwerfend aussehen.
Ob nun beim Vorstellungsgespräch, beim ersten Date oder der (eigenen) Hochzeit, ja selbst bei (s)einer Beerdigung möchte man gut und passend gekleidet sein. Dazugehören. Hip und In sein. Bloß nicht negativ oder unangenehm auffallen, oder eben gerade auffallen. Im Mittelpunkt stehen. Das passende Hintergrundbild liefern. Eben einfach ein Teil eines Ganzen, der Gesellschaft sein.
Obdachlose wollen ebenso nichts anderes.
Dazugehören. Nicht einsam, nicht abgegrenzt oder ausgestoßen sein.
Sie wollen keine Zweit- oder Randgesellschaft sein.
Sie wollen nicht von oben herab, respektlos und herablassend behandelt werden, genauso wenig wie du das möchtest.
Und Aussagen wie die von dem CDU-Entwicklungspolitiker Hartwig Fischer zum aktuellen Pferdefleischskandal, von dem mitunter auch Deutschland betroffen ist, sind nicht unbedingt das, was Obdachlose oder Bedürftige hören wollen.
Warum sollten gerade sie „B-Ware“, wie die Produkte, die Pferdefleisch enthalten und somit für die „normalen“ Bürger nicht mehr akzeptabel bzw. essbar sind, essen? Dieser herablassende und diskriminierende Vorschlag empört nicht nur die Betroffenen.
So sagte Matthias Kopp, der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz: „ Dieser Vorschlag ist respektlos gegenüber Bedürftigen. Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten.“
Christian Bakemeier, Geschäftsführer der Konferenz für kirchliche Bahnhofsmission lehnt den Vorschlag ab, da es seiner Meinung nach bedürftigen Menschen nicht zuzumuten sei, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren. Er sagt, dass es zynisch und menschenunwürdig sei, die Armutsprobleme in Deutschland mit der Verteilung von Pferdefleisch- Lasagne lösen zu wollen.
Ein Sprecher des Roten Kreuzes sagte: „ Wenn man nicht genug zu essen hat, bedeutet dies nicht, dass man isst, was andere nicht wollen.“
Trotz all der „Nicht-gut-genug-für-uns,-aber-gut-genug-für-Arme“ bzw. „Zu schlecht für den Bürger, zu gut für den Müll, also geben wir es den Armen“ - Aussagen, stellt sich einem die Frage, ob dieser Vorschlag nicht doch eigentlich positiv gemeint war oder eben positiv verstanden werden sollte. Hartwig Fischer meinte ja auch: „ Es handelt sich bei den in Deutschland gefundenen Artikeln um qualitativ hochwertige und nicht gesundheitsgefährdende Lebensmittel.“
Und damit hat er schließlich recht. Die Lebensmittel waren ja nur nicht ganz korrekt beschriftet worden, wodurch die Kunden getäuscht wurden.
Pferdefleisch ist ernährungswissenschaftlich gesehen ein qualitativ hochwertiges Produkt. So enthalten 100 g Pferdefleisch 114kcal (Kilokalorien) (bzw.477kJ (Kilojoule)), 3 g Fett, 0,4 g Kohlenhydrate und 21 g Eiweiß.
Die gleiche Menge Rinderhackfleisch enthält 296 kcal, 18,8 g Eiweiß, 0 g Kohlenhydrate und 24,5 g Fett.
In diesem Vergleich von Fettgehalt zu Protein-(Eiweiß-) Gehalt schneidet Pferdefleisch eindeutig besser ab, als das Rinderfleisch, das eigentlich in Lasagne gehört.
Pferdefleisch ist cholesterinarm, reich an Proteinen, besitzt einen hohen Gehalt an Eisen, Calcium, ungesättigte Fettsäuren (60-70%), sowie einen sehr geringen Fettanteil (geringster Fettanteil aller Fleischarten!). Es besitzt 11 verschiedene Aminosäuren und wasserlösliche Vitamine wie B12, B6 und B3, sowie die Vitamine A, E, B1 und B2.
Aus medizinischer Sicht ist der Genuss von Pferdefleisch nicht nur unbedenklich, sondern geradezu empfehlenswert. Es hilft bei der Vorbeugung gegen verschiedene Krankheiten wie z.B. Artereosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Allergien.
Moralisch betrachtet sieht der Verzehr von Pferdefleisch eher etwas komplizierter aus: Pferde werden als Freunde und Gefährten, als eine Art Haustier betrachtet. Nicht jeder kann also den Verzehr von Pferdefleisch mit seinem Gewissen vereinbaren.
Aber wie bei fast allen Dingen im Leben muss man das mit sich selber ausmachen.

„Everybody in the club. All eyes on us. All eyes on us. All eyes on us. (Scream and Shout by Will I Am)
Hattest du auch schon einmal erlebt, wie sich eine Person in den Vordergrund drängt und der Mittelpunkt sein möchte? Genau, das hat jeder schon einmal erlebt -oder selbst gemacht?
Es gibt Menschen, die haben automatisch die Aufmerksamkeit aller Anwesenden wenn sie einen Raum betreten, andere bekommen selten bis nie die Aufmerksam-keit, die sie sich wünschen.
Um sie doch zu erhalten, tun sie merkwürdige bis peinliche Dinge.
Ob jetzt im knallpinken Trainingsanzug, mit Glitzerkrönchen und einer dicken Schicht Make-up, wie die Komödiantin Cindy aus Marzahn.
Oder wie Susanne L., die singende Kuriosität, die gelegentlich den Bahnhof und die Bahnhofsmission besucht.
Ein bisschen befremdlich wirkt sie schon auf einen.
So hat sie nicht nur eine wilde rote Lockenmähne, sondern auch einen Bart, den man schon fast als Vollbart bezeichnen könnte. Und getoppt (auch wenn man sich das schwer vorstellen kann) wird das ganze noch von einer lauten Sopranstimme, die sie, zum Leidwesen und Entsetzen der anderen Gäste, oft, lange und liebend gerne benutzt. Die Aufmerksamkeit ist ihr gewiss.
Aber ob es nun eine positive oder negative Aufmerksamkeit ist, die man für sein Benehmen oder Aussehen erhält, kann man häufig selbst nicht abschätzen und richtig wahrnehmen.
So singt Susanne laut weiter, obwohl die Anderen genervt reagieren, sich beschwe-ren und lautstark ihre Ruhe einfordern.
Warum sollte sie auch aufhören?
Singen macht ihr Spaß und sie kann es auch.
Ihrer Meinung nach.


Ruth Schmid E-1 08.04.2013
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